Bereits vor einigen Wochen hat die Kantonspolizei Zürich damit Aufsehen erregt, eine ungewohnte Methode zur Aus- und Weiterbildung ihrer Beamten zu verwenden: Der Film “CSI:Züri” ist gleichzeitig ein unterhaltsamer Krimi und Information für die Beamten.

Meine erste Filmkritik in diesem Blog handelt interessanterweise nicht von einer Produktion, welche man im Kino oder Fernsehen betrachten könnte und ist eigentlich auch keine reine Filmkritik. Die Kantonspolizei Zürich hat vor einigen Wochen ihren neuen Ausbildungsfilm, CSI:Züri, vorgestellt. Interessant ist hierbei der klassische Aufbau in Anlehnung an gängige Krimiserien, kombiniert mit Hinweise zur Qualitätssicherung in der Polizeiarbeit. Es ist eine ziemlich ungewohnte Methode, die Mitarbeiter auf diese Art für eine Thematik zu sensibilisieren – normalerweise werden derartige Themen eher in Seminaren oder Weiterbildungskursen erstmals angesprochen. Jedoch scheint die Arbeit mit audiovisuellen Medien nicht bloss an der Schule zuzunehmen, sondern auch bei unseren Ordnungshütern.
Bemerkenswert ist, dass sich die Kapo Zürich die Produktion des Filmes einiges kosten liess – laut dem Newsportal 20minuten.ch ganze 100’000 Franken. Bezüglich er Qualitätssicherung des Films hat sich die Investition jedenfalls gelohnt. Trotz der Tatsache, dass alle Schauspieler aus dem Laienbereich kommen (sie sind Mitarbeiter der Polizei, also dafür Profis in ihren Rollen), können die schauspielerischen Leistungen als gut bezeichnet werden.

Die bekannte Erfolgsserie CSI aus den USA wird in vielen Elementen zitiert. Interessant ist hierbei, dass vor allem Stil- und Storyelemente von CSI:Miami gewählt wurden, welche von allen drei Serien mit den coolsten Polizisten und den meisten Stereotypen ausgestattet ist, um mehr Action aufzubauen. Bereits die Konstruktion der Rollen lässt stark darauf schliessen, beispielsweise der mit eleganter Kleidung und Sonnenbrille ausstaffierte Chefermittler. Spätestens als ein Hummer-Jeep vorfährt wird das Zitat offensichtlich. Die Form des Zitierens reicht von leichter Parodie bis hin zu Pastiche.
Höchstwahrscheinlich wurde auch die Überzeichung einiger Elemente mit voller Absicht gewählt. Die Beamten sind teils sehr heroisch dargestellt, so lange sie nicht mit ihrer widerspenstigen Kaffeemaschine kämpfen. Auch der bereits legendäre tanzende Forensiker (häufig mit der Figur Greg Sanders aus CSI:Las Vegas assoziiert) sowie Sätze wie “der schaut wirklich tot aus” dürfen auch hier nicht fehlen.
Wie nicht anders zu erwarten, unterlaufen den Ermittlern einige Pannen. Diese sind zwar nicht direkt für den Plot notwendig, sondern dienen eher dazu, aufs Thema Qualitätssicherung hinzuweisen und der übers Team wachenden Expertin die Möglichkeit zu geben, einzuschreiten. Sie haben jedoch auch nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert – wer hätte schon gedacht, dass mittels Videoüberwachung nicht nur bewiesen werden kann, dass der Täter einen Kaugummi ausspuckte, sondern auch, dass ein SEK-Beamter diesen ins Profil seines Stiefels eintrat? Willkommen in der modernen Forensik – es werden Dinge entdeckt, die man kaum für möglich gehalten hätte.

CSI:Züri ist, obwohl zu rein internen Zwecken produziert, nicht zuletzt auch von hohem Unterhaltungswert. Die wesentlichen Aspekte werden klar und teils auch humorvoll vermittelt, sodass den Mitarbeitern der Kapo nicht nur Theorie, sondern auch ein bisschen Spass vergönnt ist. Obwohl der Film ein internes Produkt ist, ist es beinahe schade, dass er nicht im Handel erhältlich ist oder im Fernsehen ausgestrahlt wird – zumindest für regelmässige CSI-Zuschauer welche des schweizer Dialekts mächtig sind wäre diese Produktion ein Leckerbissen.

Eure forensische Sarah

Für das zur Verfügung stellen des Filmes möchte ich mich bei der Informationsabteilung der Kapo Zürich, insbesondere Marcel Strebel, herzlich bedanken.